2.01.2012, Author: tes, Leave a comment

aktiv und ernsthaft

Categories: Psychologie
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Martin Haase hat beim letzten Chaos Communication Congress ein paar interessante und erhellende Erkenntnisse zur beliebten Kategorie “Anwaltsdeutsch” beigetragen, weshalb das obige Video wärmstens empfohlen wird. Was mir bei seinen Erläuterungen (also auch im Neusprechblog und in der Alternativlos-Sendung) immer wieder auffällt ist, dass er (richtigerweise) darauf hinweist, dass es nicht die “richtige” Sprache gibt, sondern dass Sprache vielmehr immer “verräterisch” ist, und Rückschlüsse auf den Sprecher und seine Intention zulässt, dass es aber anscheinend die “richtige” Interpretation von Sprache gibt (wodurch sich sprachliche Hinweise erst entlarven lassen). Und, so gerne ich das auch glauben möchte, kann ich es mir nicht so recht vorstellen.

Also, um konkret beim Guttenberg zu bleiben: Mir erscheint die Erklärung, dass sich ihm eine bestimmte Ausdrucksweise eingeschliffen hat, nicht ganz abwegig, nachdem ich jetzt seit mehr als 10 Jahren jeden Tag mit Anwaltsdeutsch zu tun habe. Es gibt nunmal in der Juristerei (aus mir nicht ganz klaren Gründen) eine Neigung zu unheimlich komplizierten Passivkonstruktionen (… “Bezug nehmend auf das in der Anlage beigefügte Schreiben des Kläger-Verteters vom XXX, hier eingegangen am XXX, und berufend auf die angeschlossene Bevollmächtigung, erlaubt sich der Unterzeichner für den Beklagten wie folgt Stellung zu nehmen…”). Und man übernimmt dann einfach bestimmte Ausdrücke und Formulierungen, ich bin da keine Ausnahme; der Mensch ist schließlich das Tier, das nachahmt.

Das soll allerdings nicht davon ablenken, dass man von einen (ehemaligen, bzw. damals noch gewesenen) Minister durchaus erwarten kann, dass er seine Ausdrucksweise reflektiert und ggf. anpasst. Wenn das nicht geschieht, lassen sich dadurch wohl durchaus Rückschlüsse auf die Einstelllung des Sprechenden ziehen.

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