Tom E. Steigerwald

Gerichtsvollzieher (b) bei dem Amtsgericht in Hanau

Statistik gvsteigerwald | 03 Sep 2008

Statistik

Heute kam die neue Ausgabe der DGVZ, welche, wie jedes Jahr um diese Zeit, die Personalstatistik unseres Berufsstandes, bezogen auf das Jahr 2007, enthält. Die Gesamtzahl der Gerichtsvollzieher hat sich dabei innerhalb der letzten Jahre auf bundesweit rund 4800 Kollegen eingependelt, auch die Personalzahlen der einzelnen Bundesländer sind weitgehend konstant geblieben. Die Zahl der in Ausbildung befindlichen Anwärter jedoch, also der Kollegen von morgen, geht immer weiter zurück, von bundesweit 440 der Jahre 2000/2001 bis zu nunmehr 119 im Jahr 2007. Hierbei wird wohl auf die veränderte Auftragslage reagiert, welche stark rückläufig ist, wie durch die weiteren Zahlen dargestellt wird. Die Zahl der Zustellungen z.B. ging 2007 erstmals um bundesweit jeweils rund 130 000 persönlich bewirkte und Post-Zustellungen zurück, die Zahl der Protestaufträge ist sowieso seit Jahren rückläufig und 2007 auf einem Tiefstand von etwas mehr als 2500 Aufträgen angelangt.

Auch die Zwangsvollstreckungsaufträge haben seit dem Jahr 2005 kontinuierlich abgenommen, von bundesweit 8,9 Millionen in 2004 auf nurmehr 6,9 Millionen in 2007 (das entspricht einem Volumen von 1445 Aufträgen im Jahr pro Gerichtsvollzieher in 2007 im Vergleich zu 1859 Aufträgen in 2004. (Die Jahre davor lagen etwa auf dem gleichen Niveau oder höher.) Gleichzeitig hat jedoch die Summe der beigetriebenen Parteigelder zwar um mehr als 15% seit 2004 abgenommen (2004 markiert den Höchststand der beigetriebenen Gelder bei einem Wert von über 1,6 Milliarden Euro), die beigetriebenen Beiträge pro Auftrag jedoch haben im selben Zeitraum um über 10% zugenommen, von 181,77 Euro pro Auftrag in 2004 auf 199,25 Euro in 2007. Das heisst, dass unter dem Strich von den Kollegen pro Auftrag mehr Forderungen auch tatsächlich beigetrieben wurden.

Besonders erfolgreich vollstreckt wird offensichtlich in Bayern, mit 235,15 Euro pro Auftrag beigetriebener Forderungen, gefolgt von Rheinland-Pfalz (229,00 Euro), Hessen (210,32 Euro), Nordrhein-Westfalen (206,42 Euro) und Baden-Württemberg (201,58 Euro). Dabei berücksichtigt werden muss allerdings, dass Bayern und Nordrhein-Westfalen personalmäßig überdurchschnittlich gut ausgestattet sind, so dass unterm Strich die Kollegen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg am erfolgreichsten Vollstreckt haben, mit 373 962 Euro pro Jahr und Kollege in R-P bzw. 342 558 Euro in B-W.

Die Hessen sind, wie immer, irgendwo in der Mitte dabei, nur in einem glänzen sie ganz gewaltig, und das sind die Vollstreckungsaufträge der Justizbehörden. Für alle, die das nicht kennen (gerade also die Kollegen in Ost- und Norddeutschland): Das sind Aufträge von Justizbehörden, die eigentlich eigene Vollstreckungsbeamte haben müssten sollten könnten, aber aus Gründen der Personalkostenersparnis auf die Gerichtsvollzieher abgewälzt werden; Aufträge, die zwar genauso ausgeführt werden sollen, wie andere Zwangsvollstreckungsaufträge, aber konsequenterweise statistisch weniger zählen. Gut für alle, die keine Hessen sind. Zurück ins Studio.

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