(Bild: CC-by-nc-sa by Jenny Boggio)
Nachdem ich den folgenden Artikel auf englisch bereits woanders veröffentlicht habe, ist er hier in der deutschen Übersetzung, da er für den einen oder anderen Leser dieses Blogs evtl. von Interesse sein könnte.
Heute reden wir mal über Email. Ich weiß, in Zeiten wo die meisten Leute über Facebook, Twitter oder ander soziale Netzwerke kommunizieren mutet das wie ein sehr seltsames Thema an, aber das ist es nicht.
Zunächst einmal wollen wir über die unterschiedlichen Anwendungen zur Kommunikation reden. Einer der Vorteile von sozialen Netzwerken ist die Öffentlichkeit der Kommunkation. Wenn es etwas gibt, was man der Welt, oder einer (bestimmten oder unbestimmten) Gruppe von Menschen mitteilen möchte, so bieten diese sicherlich einen großen Vorteil gegenüber Email. Sie sind einfach zu verwenden, veröffentlichen sofort, und werden in Echtzeit aktualisiert. Unterhaltungen sind für andere offen und für jeden sichtbar. Dass Facebook, Google+ & Co. sie dazu verwenden, Werbung für Sie zurechtzuschneidern (indem sie Ihre Unterhaltungen bespitzeln) sollte kein Rückfall für die gesamte Technologie an sich sein, denn es gibt andere soziale Netzwerke, die jeder für sich installieren kann und keine Spitzelei beinhalten. Der echte Nachteil jedoch ist nicht-öffentliche, private Kommunikation. Denn auch wenn private Nachrichten den anderen Mitgliedern des Netzwerks nicht ohne weiteres sichtbar sein sollten, so werden sie natürlich auch von dem Dienst selbst bespitzelt und sind sehr leicht für die Betreiber einsehbar.
Email hingegen war immer ein Werkzeug für private Kommunikation. Es werden in der Tat sehr sensible Informationen, wie Passwörter, Produktschlüssel, Bankdaten, etc. per Email übersandt. Daher ist es umso schlimmer dass die meisten Menschen heute Email genauso benutzen wie ein soziales Netzwerk, indem sie ein Konto bei einem Online-Emaildienst anlegen und auf ihre Emails über die Webmail-Maske deren Website zugreifen.
Warum ist das schlimm?
Emails werden als reine Textdateien in einem einfachen Unterordner auf dem Server des Dienstanbieters abgelegt. Das bedeutet dass jeder, der für den Dienst arbeitet, ungefilterten Zugang zu allen Emails hat. Was noch schlimmer ist: Sie können sogar verpflichtet sein, Ihre Email Kommunikation an staatliche oder private Institutionen herauszugeben, wenn diese sie verlangen. Man möchte gerne denken, dass hierfür zumindest gute Gründe vorliegen müssen, wie eine richterliche Anordnung oder sowas, aber tatsächlich erhalten und gewähren die großen Email-Anbieter eine Menge Anfragen aufgrund solch flexibler Gesetze wie den amerikanischen Patriot Act. Und noch krasser: Der Electric Comminucations Privacy Act bestimmt, dass jegliche Kommunikation, die länger als 6 Monate auf dem Server eines Dienstanbieters gespeichert ist, an staatliche Behörden herausgegeben werden muss, wenn diese einfach angeben, dass sie “relevant für strafrechtliche Ermittlungen” ist. Sicher, das gilt nur für die USA, aber wie viele der großen Email Anbieter sind denn dort ansässig?
Schließlich, jenseits der Gefahren des unberechtigten Zugriffs Dritter, gibt es die Gefahr die Kommunikationsdaten einfach zu verlieren. Ebenso wie soziale Netzwerke können Email Anbieter einfach zumachen und alle Nachrichten mitnehmen, oder Sie einfach von dem Dienst ausschließen, wenn man der Meinung ist, Sie hätten gegen die Geschäftsbedingungen verstoßen, was denselben Effekt hat. Wenn Sie nur die Webmail-Maske verwendet haben, um Emails zu lesen und schreiben, dann haben Sie noch nicht mal eine Kopie davon auf ihrem Computer.
Was können Sie tun?
Zunächst mal, wenn Sie’s noch nicht tun, verwenden Sie einen Email Client! Wegen der Allgegenwart der Webmail-Dienste nehmen Viele an, dass Email einfach ein Teil des World Wide Web ist, wenn es sich dabei tatsächlich um etwas völlig anderes (und viel älteres) handelt. Email-Kommunikation funktioniert unabhängig vom WWW und Email-Programme können sie ohne Rücksicht auf Webmail übernehmen. Der Vorteil hier ist, dass man immer zumindest eine Kopie der Emails auf dem eigenen Computer hat.
Dies berührt natürlich noch nicht die Datenschutzangelegenheiten; die Gefahr, dass Andere Ihre Email gegen Ihren Willen einsehen ist noch immer gegeben. Das nächste, was man daher unternehmen kann, ist einen eigenen Email-Server zu betreiben. Das klingt erstmal schwerer als es ist. Die meisten Webspace-Anbieter haben auch immer Email im Paket, und das fängt normalerweise schon bei 1,- € pro Monat an. Ja, kostet Geld, aber hey: 12,- € im Jahr für die eigene Internetadresse, selbstgewählte Email-Adressen, ohne Werbung und unter Ihrer Kontrolle? Man kann sein Geld sicher schlechter ausgeben.
Was noch besser ist: Man kann den Email-Server auch von zuhause aus betreiben. Während der eigene Computer technisch sicher dafür ausreichend ist, müsste man diesen rund um die Uhr laufen lassen, damit das ganze funktioniert, so dass ein Heimserver mit wenig Stromverbrauch sicher die bessere Lösung wäre. Der Sheeva/Guru Plug und die Excito Bubbas sind zwei nette Angebote, die beide mit Web- und Emailservern bereits voreingestellt ausgeliefert werden. Und sie bleiben bei Ihnen zuhause, wo niemand gegen Ihren Willen darauf Zugriff hat, ohne zumindest einen Durchsuchungsbefehl vorzulegen.
Um schließlich auch gegen das Abfangen von Emails während ihres Sendens, oder vom Server des Empfängers, vorzugehen, gibt es Verschlüsselung. Während das Verschlüsseln von Emails nicht davor bewahrt, dass sie abgefangen werden, besteht der Inhalt der Mail für jeden, der nicht den richtigen Schlüssel hat (den nur Sie und der Empfänger haben sollten) aus sinnlosen Buchstaben- und Zahlenketten, die unmöglich dechiffriert werden können. PGP ist eine Erweiterung für Email-Programme, und ist in den beliebtesten Programmen entweder bereits enthalten, oder als Plugin erhältlich.
Was ich mache
Ich betreibe zuhause einen Bubba 2 für besonders sensible Emails, und betreibe meinen eigenen Rootserver (auf dem sich diese Webseite befindet) für alltägliche Email-Kommunikation. Ich habe jetzt seit fast 8 Jahren meine eigene Email und bereue keine Tag davon. Für soziale Netzwerke verwende ich eine Kombination aus status.net und Twitter und ein paar spezialisierte Communities, denen ich vertraue. Ich bin kein Mitglied bei Facebook, Myspace, Google+ oder Ähnlichen.